Kaum ein Thema in der Kindergesundheit weckt so starke Emotionen wie das Impfen. Auf der einen Seite steht jahrzehntelange Evidenz, dass Impfungen Millionen von Kinderleben gerettet haben. Auf der anderen Seite stehen die Bedenken von Eltern über Nebenwirkungen und der Wunsch nach einem möglichst sanften Start ins Leben. Dieser Artikel gibt einen objektiven Überblick über die Impfprogramme in Dänemark und Deutschland und wägt Vor- und Nachteile gegeneinander ab — damit Sie als Eltern eine informierte Entscheidung treffen können.
Das dänische Kinderimpfprogramm
In Dänemark bietet das Statens Serum Institut (SSI) ein kostenloses Impfprogramm für alle Kinder an. Es ist freiwillig, und die Impfungen werden vom Hausarzt im Rahmen der regulären Vorsorgeuntersuchungen verabreicht. Das Programm schützt vor 10 Infektionskrankheiten.
| Alter | Impfung | Schützt vor |
|---|---|---|
| 3 Monate | Di-Te-Ki-Pol/Hib 1 + PCV 1 | Diphtherie, Tetanus, Keuchhusten, Polio, Hib (Hirnhautentzündung) + Lungenentzündung (Pneumokokken) |
| 5 Monate | Di-Te-Ki-Pol/Hib 2 + PCV 2 | Zweite Dosis des gleichen Schutzes |
| 12 Monate | Di-Te-Ki-Pol/Hib 3 + PCV 3 | Dritte Dosis — Grundimmunisierung abgeschlossen |
| 15 Monate | MMR 1 | Masern, Mumps, Röteln |
| 4 Jahre | MMR 2 | Auffrischung gegen Masern, Mumps, Röteln |
| 5 Jahre | Di-Te-Ki-Pol Auffrischung | Auffrischung gegen Diphtherie, Tetanus, Keuchhusten, Polio |
| 12 Jahre | HPV (2 Dosen) | Gebärmutterhalskrebs und andere HPV-bedingte Krebserkrankungen (auch für Jungen seit 2019) |
Hinweis: In den Jahren 2025–2026 prüft die dänische Gesundheitsbehörde (Sundhedsstyrelsen) die Einführung einer neuen Impfung gegen das Respiratorische Synzytial-Virus (RSV) für Säuglinge im Impfprogramm. RSV ist der häufigste Grund für Krankenhauseinweisungen von Säuglingen in den Wintermonaten. Deutschland führte bereits 2024 eine RSV-Prophylaxe als Standard für alle Neugeborenen ein.
Das deutsche Impfprogramm (STIKO)
In Deutschland erarbeitet die Ständige Impfkommission (STIKO) am Robert Koch-Institut Empfehlungen, die von den einzelnen Bundesländern umgesetzt werden. Das deutsche Programm ist in den ersten Lebensjahren umfangreicher als das dänische und enthält mehrere Kombinationsimpfstoffe.
| Alter | Impfung | Schützt vor |
|---|---|---|
| 6 Wochen | Rotavirus (oral) 1 | Rotaviren — schwerer Durchfall und Erbrechen, besonders gefährlich für Säuglinge |
| 2 Monate | 6-fach 1 + PCV 1 | Diphtherie, Tetanus, Keuchhusten, Polio, Hib, Hepatitis B + Pneumokokken |
| 4 Monate | 6-fach 2 + PCV 2 + Rotavirus 2 | Zweite Dosis der Grundimmunisierung |
| 11–14 Monate | 6-fach 4 + PCV 3 + MMR 1 + Varizellen 1 + MenB | Auffrischung + Masern, Mumps, Röteln, Windpocken, Meningitis B |
| 15–23 Monate | MMR 2 + Varizellen 2 | Zweite Dosis Masern-Mumps-Röteln + Windpocken |
| 5–6 Jahre | DTaP-IPV Auffrischung | Auffrischung gegen Diphtherie, Tetanus, Keuchhusten, Polio |
| 9–14 Jahre | HPV (2 Dosen) + Tdap-IPV + MenACWY | HPV-Krebsprävention + Auffrischung + Meningitis ACWY |
Unterschied: Das deutsche Programm beginnt früher (6 Wochen vs. 3 Monate) und enthält mehr Impfungen: Hepatitis B (als Teil des 6-fach-Impfstoffs), Rotaviren (orale Schluckimpfung), Windpocken (Varizellen) sowie Meningitis B (MenB) für Säuglinge — letztere seit 2024 eingeführt. Dänemark prüft fortlaufend eine Erweiterung des Programms, bietet derzeit jedoch weniger Impfungen in den ersten zwei Lebensjahren an.
Warum werden Impfungen empfohlen?
Schutz vor schweren Krankheiten
Die Impfungen schützen vor Krankheiten, die früher einen Krankenhausaufenthalt erforderten oder zu dauerhaften Schäden wie Lähmungen (Polio) oder Hirnschäden (Hib-Meningitis) führten. Vor der MMR-Impfung gab es in Dänemark jährlich über 20.000 Masernfälle.
Herdenimmunität — schützt die Schwächsten
Wenn genügend Menschen geimpft sind, kann sich die Krankheit nicht ausbreiten. Das schützt Säuglinge, Krebspatienten und andere, die aus medizinischen Gründen nicht geimpft werden können.
Dokumentierte Wirksamkeit und Sicherheit
Impfstoffe durchlaufen umfangreiche klinische Studien und werden fortlaufend überwacht. Schwerwiegende Nebenwirkungen sind äußerst selten — weit weniger häufig als Komplikationen durch die Krankheit selbst.
Gesamtwirtschaftliche Einsparungen
Die WHO schätzt, dass Impfungen weltweit jährlich 3–4 Millionen Todesfälle verhindern. In Dänemark spart das Impfprogramm der Gesellschaft jedes Jahr Millionen an Behandlungskosten.
Kritik und Bedenken
Es gibt auch legitime Fragen und Bedenken, die Eltern ernst nehmen sollten. Hier sind die häufigsten, sachlich dargestellt:
Nebenwirkungen und Risiken
Milde Nebenwirkungen wie Rötung, Fieber und Schwellung sind häufig (10–50 % der Kinder). Schwerwiegende Nebenwirkungen wie allergischer Schock (Anaphylaxie) sind sehr selten (< 1:100.000). Impfungen können in seltenen Fällen Fieberkrämpfe auslösen, in der Regel ohne Folgeschäden.
Ungeklärte Fragen zu Langzeitwirkungen
Neuere Impfstoffe wie mRNA- oder neue Kombinationsimpfstoffe sind erst seit kurzer Zeit in Gebrauch. Manche Eltern sind besorgt, dass es keine extrem langen Nachbeobachtungsstudien gibt. Es ist jedoch anzumerken, dass alle bisherigen Erkenntnisse auf ein gutes Sicherheitsprofil hinweisen.
Inhaltsstoffe und Zusatzstoffe
Einige Impfstoffe enthalten Aluminiumsalze (Adjuvanzien), die lokale Reaktionen hervorrufen können. Aluminium in Impfstoffen ist in mikroskopischen Mengen enthalten — weit unter dem, was Kinder täglich über Muttermilch oder Säuglingsnahrung aufnehmen. Quecksilber (Thiomersal) wurde seit dem Jahr 2000 aus allen Kinderimpfstoffen in Skandinavien entfernt.
Eingriff in das kindliche Immunsystem
Kritiker führen an, dass das unreife Immunsystem eines Säuglings nicht mit mehreren Impfungen gleichzeitig belastet werden sollte. Die Forschung zeigt jedoch, dass das Immunsystem in der Lage ist, viele Antigene gleichzeitig zu verarbeiten — weit mehr, als die Impfstoffe bieten. Zum Vergleich: Kinder kommen täglich über Luft und Nahrung mit Tausenden von Antigenen in Kontakt.
Eine naturheilkundliche Sicht aufs Impfen
Als Heilpraktiker begegne ich oft Eltern, die einen ausgewogenen Ansatz wünschen. Mein Rat ist immer: Treffen Sie Ihre Entscheidung auf einer informierten Grundlage. Impfen ist keine Schwarz-Weiß-Frage, und es gibt Raum für differenzierte Entscheidungen:
Setzen Sie sich rechtzeitig mit dem Impfplan auseinander — am besten schon vor der Geburt Ihres Kindes. Sprechen Sie sowohl mit dem Arzt als auch mit einem Heilpraktiker.
Beurteilen Sie den Gesundheitszustand Ihres Kindes. Die meisten gesunden Kinder vertragen Impfungen gut. Bei geschwächtem Immunsystem oder Allergien können individuelle Anpassungen nötig sein.
Überlegen Sie, ob ein individuelles Impfschema (weniger Impfungen auf einmal) besser zu Ihrer Familie passt — auch wenn dies mehr Arztbesuche bedeuten kann.
Unterstützen Sie das Immunsystem Ihres Kindes vor und nach der Impfung mit gutem Schlaf, nährstoffreicher Kost und darmfreundlicher Ernährung. Vermeiden Sie Impfungen während einer Erkrankung.
Respektieren Sie, dass andere Eltern andere Entscheidungen treffen können. Es gibt gute Gründe sowohl für als auch gegen das Impfen — niemand sollte verurteilt werden.
Fazit — eine persönliche Entscheidung
Das Impfen von Kindern ist ein Thema, bei dem sowohl Wissenschaft als auch persönliche Werte eine Rolle spielen. Aus evidenzbasierter Sicht ist die Impfstoffsicherheit gut dokumentiert: Schwerwiegende Nebenwirkungen sind extrem selten, während die Krankheiten, vor denen die Impfungen schützen, lebensbedrohlich sein oder dauerhafte Schäden verursachen können. Aus individueller Perspektive ist es verständlich, dass Eltern Eingriffe in den Körper ihres Kindes minimieren möchten — besonders wenn das Kind gesund ist.
Die dänische Gesundheitsbehörde und das SSI empfehlen, dem Impfprogramm zu folgen, betonen jedoch, dass es freiwillig ist. Die Impfbereitschaft in Dänemark ist hoch: Über 90 % der Kinder sind bis zum Alter von 2 Jahren vollständig geimpft. Das bedeutet, dass die Herdenimmunität für die meisten Krankheiten intakt ist — aber auch, dass eine kleine Minderheit auf Impfungen verzichtet.
Mein Ziel mit diesem Artikel ist es nicht, Sie von einer bestimmten Haltung zu überzeugen, sondern ein differenziertes Bild zu vermitteln, damit Sie als Eltern eine Entscheidung mit ruhigem Gewissen treffen können — unabhängig davon, ob Sie sich für oder gegen das Impfen entscheiden.
Haben Sie Fragen zum Impfen?
Als Heilpraktiker biete ich ein unvoreingenommenes Gespräch über Impfungen an — ohne jemanden in eine bestimmte Richtung zu drängen. Vereinbaren Sie einen Termin, wenn Sie eine individuelle Einschätzung wünschen.
Quellen: Statens Serum Institut (ssi.dk), Robert Koch-Institut (rki.de), STIKO-Empfehlungen Epidemiologisches Bulletin 4/2026. Der Inhalt ersetzt keine ärztliche Behandlung.